Maximilianstraße Nürnberg

Städtebaulich-freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb
Quartiersentwicklung Maximilianstraße Nürnberg
2025, 2. Preis

Auslobende: N-ERGIE Immobilien GmbH, Nürnberg
wbg Nürnberg GmbH Immobilienunternehmen, Nürnberg

Landschaftsarchitektur: Liebald+Aufermann, München
Modell: Maquette, Berlin

Team: Armin Behles, Laura Herndl, Simon Stahnke

MAX´N´MORITZ

Eine zweifach geknickte Reihe großer Häuser rahmt an der prominenten Ecke Fürther- und Maximilianstraße einen neuen Platz mit dem Sparkassen-Pavillon in seiner Mitte und einem Hochhaus als Point de Vue. Die kompakte Bebauung minimiert die Versiegelung und fasst, zusammen mit den Erweiterungen des Strafjustizzentrums, einen großzügigen, lärmgeschützten Park. Öffentlichkeitswirksame Nutzungen in den Erdgeschossen erzeugen urbanes Flair – Rückseiten werden vermieden.

Längs der Straßen und um den Busbahnhof herum wird die Baumasse in einer im Grundriss N-förmigen Gebäudereihe konzentriert. Auf der straßenabgewandten Seite entsteht ein maximal großer Grünraum. Das ehemalige Werkstattgebäude fungiert als Dreh- und Angelpunkt und als Maßstabsgeber für die beiden benachbarten Neubauten. Zwei Hochpunkte, Max und Moritz, dienen als Auftakt und Abschluss der Häuserkette. Wie das Werkstattgebäude weisen auch die neuen Häuser sehr tiefe, effiziente Grundrisse auf. Mit ihrer differenzierten Höhenentwicklung und Geschossigkeit nehmen sie Bezug auf die gründerzeitlich geprägte Bebauung und auf die geplanten Erweiterungen des Strafgerichtszentrums, setzen aber mit den beiden Hochpunkten auch eigene stadträumliche Akzente. Die Fürther Straße wird zum Boulevard und der Busbahnhof zu einem großstädtischen Platz. Dessen Mittelpunkt ist das ehemalige Sparkassengebäude ist, das zur Kleinmarkthalle umgenutzt wird.

Aus der City kommend markiert der kleinere der beiden Hochpunkte den Auftakt der neuen Bebauung. Auf der historischen Bauflucht stehend, bildet er zusammen mit dem Erweiterungsbau des Strafjustizzentrums ein räumliches Gelenk, das Fußgänger und Fahrradfahrende einlädt, in den neuen Moritzpark abzuschweifen. Mit acht Vollgeschossen für Wohnen und Gewerbe plus einem niedrigen Dachgeschoss für Mieterabstellräume bleibt das Haus knapp unter der Hochhausgrenze.

Auf Höhe der bestehenden Zu- und Ausfahrt an der Fürther Straße bietet ein Torhaus eine weitere Verbindung in den Park an und fasst die Tiefgaragenrampe räumlich. Über Gewerbeflächen im EG befinden sich Wohngeschosse. Diese werden durch zwei ebenfalls über das Tor zugängliche Treppenhäuser erschlossen. Zur Fürther Straße hin wird mit Bezug auf die historischen Traufhöhen im obersten Geschoss ein Setback ausgebildet.

Das ehemalige Werkstattgebäude wird von seinen erdgeschossigen Anbauten befreit und zum Wohn- und Geschäftshaus umgenutzt. In den Obergeschossen entstehen längs der Fürther Straße vor allem Duplexwohnungen und zum Neuen Maxplatz hin große Familienwohnungen. In der Dunkelzone im Anschluss an das benachbarte Terrassenhaus werden Mieterabstellräume und Fahrräder untergebracht. Der bestehende Lastenaufzug wird für den Transport von Fahrrädern in die Obergeschosse und in die zentrale Fahrradgarage im UG genutzt. Ein neues Dachgeschoss bietet einen großen Gemeinschaftsraum für die Anwohner und Zugang zu einem Dachgarten unter einer Solarpergola.

Im Terrassenhaus befinden sich die Kita und darüber Wohnungen, die über einen Laubengang erschlossen werden. Durch einen mittigen Knick vermittelt das Gebäude zwischen den beiden Fluchten des trapezoiden Grundstücks. Vorgelagerte Terrassen setzen den Park in die Vertikale fort.

Der zweite Hochpunkt ersetzt das frühere Wohnhaus der VAG. Durch dessen Rückbau kann ein Vielfaches an Wohnraum entstehen. Anders als sein Vorgänger steht das Hochhaus nunmehr parallel zur nördlichen Grundstücksgrenze. Damit gibt er dem Platz räumlich Halt und bildet einen Kopf in die Achse der Fahrradstraße aus. Der Neubau nutzt mit 10 Vollgeschossen sowie einem niedrigen Dachgeschoss für Mieterabstellräume die Erleichterungen der bayerischen Hochhausrichtlinie für Gebäude bis 30 m aus. Über notwendige Flure werden zwei „Schachteltreppen“ erschlossen.

Der Park wird durch die Baukörperstellung bestmöglich vom Straßenlärm abgeschirmt. Auch ein großer Teil der Wohnungen ist anteilig in Richtung Park orientiert. Wo erforderlich, werden straßenseitig Schallimmissionen durch vorgeschaltete Wintergärten oder Kastenfenster so weit reduziert, dass auch nachts eine natürliche Lüftung gewährleistet ist.

Alle Häuser werden von der Fürther Straße oder dem Neuen Maxplatz aus angedient, haben aber zugleich auch Zugang zum Moritzpark. Die zweigeschossige Tiefgarage wird von der Fürther Straße aus über eine Rampenanlage unter dem Torhaus erschlossen.

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