Rathaus der Zukunft

Neubau des Rathauses des Bezirks Mitte von Berlin
Offener, 2-phasiger, interdisziplinärer Realisierungswettbewerb, 2025
5. Rang, 2. Phase

Ausloberin: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berlin
Landschaftsarchitektur: ANNABAU, Berlin
Tragwerksplanung, PRIMINJUNG, Remagen
Technische Gebäudeausrüstung: HDH Ingenieure, Berlin
Visualisierung: Grauwald, Berlin
Modellbau: Maquette Modellbau, Berlin

Team: Prof. Jasper Jochimsen, Laura Herndl, Simon Stahnke

Das neue Rathaus ist nicht nur ein Verwaltungsbau, sondern auch ein niedrigschwelliger Treffpunkt für die Bürgerinnen und Bürger. Hier kann man sich informieren und mit Anderen in Austausch treten, ohne konsumieren zu müssen. Das Erdgeschoss öffnet sich mit attraktiven Nutzungen zur Stadtgesellschaft und strahlt in die angrenzenden Platzräume aus.

Aus einem breiten Fuß entwickelt sich der skulpturale Baukörper zu einem schlanken Turm. Eine Loggia an der Südseite der Turmspitze verdeutlicht die Orientierung zum Alexanderplatz und sorgt für einen zeichenhaften Abschluss. Die Höhen der einzelnen Abstufungen korrespondieren exakt mit denen der angrenzenden Gebäude. Das zweithöchste Bauteil ist parallel zum Mollplatz gedreht, um diesen räumlich zu stärken und die Präsenz des Hauses Richtung Norden zu steigern.


Das neue Rathaus bildet Platzfronten zum neuen Rathausplatz, an dem der Haupteingang liegt, und zum Mollplatz aus. Es schiebt sich in den Straßenraum der Otto-Braun-Straße und steht mit seinem Turm in der Flucht der Wadzeckstraße. Ein weiterer Eingang liegt in Fassadenmitte an der Otto-Braun-Straße. Anlieferung und Zufahrt zu Mobility Hub und Tiefgarage erfolgen von Norden hinter dem geplanten Hotel am Mollplatz.

Die unteren beiden Geschosse stehen Allen offen. Über dem großzügigen, zenital belichtete Foyer erhebt sich ein vier Geschosse hohes Atrium. Der zentrale Infopoint findet sich am Zugang zum Atrium. Eine große Treppe führt ins 1. und 2. Obergeschoss. Ein Aufzug erschließt die öffentlichen Bereiche und das Standesamt im Dachgeschoss. Geradezu durch das Foyer hindurch erreicht man die Bibliothek, die den nordwestlichen Quadranten des Grundrisses einnimmt. Ein Nebeneingang an der Otto-Braun-Straße erschließt die Bibliothek auf direktem Wege. Die öffentliche Kantine findet sich in der prominenten Südwestecke.

Über das Foyer des 1. Obergeschosses, das sich um das Atrium herum entwickelt, erreicht man den dreigeschossigen Saal der Bezirksverordnetenversammlung. Er erhält Licht von drei Seiten und ist vom Stadtraum aus gut sichtbar. Der Veranstaltungs- und Ausstellungsbereich erstreckt sich zwischen und Ostfassade. Der Konferenz- und Besprechungsbereich ist nach Süden und Westen orientiert. Die Fraktionsräume der BVV im 2. Obergeschoss sind über den zweiten Lauf der Freitreppe angebunden. Über dem öffentlichen Sockel sitzt die Verwaltung in flexiblen und kommunikativen Räumen. Je nach Bedarf sind Großraum- Zellen und Kombibüros möglich.

Die durch die Rücksprünge des Baukörpers entstehenden Dachterrassen werden mit Pergolen überbaut und begrünt. Sie stehen allen Nutzenden des Gebäudes zur Verfügung. Die Pergolen sind zugleich Träger für die Photovoltaikanlagen, die auf allen Dachflächen vorgesehen sind.

Der erste Rücksprung des Baukörpers liegt oberhalb des 3. OGs. Nach weiteren Rückstaffelungen verbleibt ab dem 13. OG eine schlanke Hochhausscheibe mit mittigem Kern. Im 13. OG liegt der Sportraum mit Blick auf den Alexanderplatz, im 16. OG findet das Standesamt mit weitem Blick über Berlin seinen Platz. Dem Trausaal ist eine doppelgeschossige Loggia für das Hochzeitsfoto mit Fernsehturm im Hintergrund vorgelagert.

Das Haus ist als modularer Holzhybridbau konzipiert. Dabei werden vorgefertigte Fassadenelemente aus nichttragenden Holzrahmenwandtafeln und sichtbar belassenen, tragenden Holzstützen sowie tragende Innenstützen montiert, bevor im nächsten Schritt Hybrid-Deckenelemente mit Holz-Unterzügen und Stahlbetondeckenplatte aufgelegt werden. Diese modulare Herangehensweise ermöglicht eine langfristige Anpassung des Gebäudes an sich ändernde Nutzungsanforderungen. Die Lasten über den großen Veranstaltungsräumen werden durch Stabwerke abgetragen, die stützenfrei über drei Raster-Felder spannen.

Die Fassaden werden mit nicht brennbaren, eingefärbten Glasfaserbeton-Fertigteilen verkleidet. Alle drei Etagen verjüngen sich die Stützen und rücken ein, so dass die Fassade sich von unten nach oben transformiert, bis im obersten Bereich die Stützen und die dazwischenliegenden Lisenen gleich breit sind. Die Farbgebung der Betonfertigteile unterstützt dieses Progressionsmotiv, indem der Farbton alle drei Etagen etwas heller wird.

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