Univers Condensed

Rauminstallation und Einzelausstellung in der > Architektur Galerie Berlin
09.09.–22.10.2011
Mitarbeit: Laura Casado Albo
Photos: Marcus Bredt (innen), Silke Helmerdig (außen)
Realisierung mit tatkräftiger Unterstützung der Firmen Alutecta, Brillux, Ebener, Giese, HD Wahl

Die Ausstellung entlehnt ihren Titel einer Schrift: Die „Univers condensed“ ist eine schmal geschnittene, elegante und gleichzeitig ökonomische Variante der berühmten serifenlosen Antiqua von Adrian Frutiger. Sie ist unsere Hausschrift. „Univers condensed“ bezeichnet aber auch zwei Aspekte der Rauminstallation, die wir – statt einer Werkschau - für die Architektur Galerie Berlin eingerichtet haben und die typisch für unsere Arbeitsweise sind: Mit wenigen, präzisen Eingriffen, die auf charakteristische Merkmale des Galerieraums eingehen, wird dieser umgebaut und dabei radikalisiert. Für die Installation spielen das visuell-leibliche Erleben wie das gedankliche Nachvollziehen gleichermaßen eine konstitutive Rolle.

Ein zwei Meter hoher, farbiger Fries belegt die obere Hälfte der langen Galerierückwand. Er besteht aus über 30 schmalen Aluminiumpaneelen, die bündig mit der weißen Wand abschließen. Der bestehende, außermittig auf der Wand positionierte Durchgang ins Backoffice gibt dabei mit seinen Maßen den Takt vor und wird gleichsam im Gegenzug verortet. Die Paneele sind farbig eloxiert. Dabei werden die im Sandalor-Verfahren möglichen Farben und Schattierungen ausgereizt. Die Anordnung der Farben entspricht dem Spektralverlauf. Durch den matten Glanz sowie die Farb- und Helligkeits-Verläufe erhält die plane Wand Tiefe. Sie wird vom Träger von Abbildern, die üblicherweise auf der unteren Hälfte der Wand positioniert werden, zum dominierenden architektonischen Element.

Zwei sich gegenüber liegende Spiegelwände an den Schmalseiten vervielfachen optisch die Galerie. Der Raum weist über sich hinaus, er verdeutlicht die Lage des Ladenlokals an der ehemaligen Stalinallee, eines scheinbar endlosen sozialistischen Vorzeigeboulevards. Visuell entgrenzt, behält der Raum dennoch Maß; er wird durch die unterschiedlichen Rhythmen von Leuchten und Farbfries, Fassadenpfeilern und Wanddurchgang strukturiert.

Mit ihren farbig eloxierten Aluminiumpaneelen rekurriert die Installation auf das > Biomedizinische Forschungszentrum der Universität Gießen. Dort ist die Fassade des handförmigen Baukörpers durch einen Farbverlauf gekennzeichnet, der jedem Gebäudefinger eine eigene Grundfarbigkeit zuweist. Der Farbkreis ist geschlossen und die Fassade erscheint durch das Fehlen von Ecken gleichsam unendlich.

Eine Fotoserie von Andrew Alberts im zweiten Galerieraum, in der der Fotograf die Bewegung um die Gießener Fassade thematisiert, begleitet die Rauminstallation.

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