Quartier am Viktoriaspeicher Berlin

Ein neues Quartier mit 1000 Wohnungen sowie Flächen für Nahversorgung, Kultur, soziale Einrichtungen, Handwerk und Produktion rund um den Viktoriaspeicher in Berlin-Kreuzberg.

Gewinner des städtebaulichen Werkstattverfahrens 2026
Auslober: BEHALA, WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte

Team: Armin Behles, Bent Gerstenberger, Jasper Jochimsen, Beyza Öztürk, Bela Schwier, Simon Stahnke
Landschaftsarchitektur: Weidinger, Berlin
Modell: Maquette, Berlin
Luftfoto: Apple Karten

STADT PARK FLUSS

Vier Blöcke, die die Lennésche Raumfigur an der Schillingbrücke wiederherstellen und die Köpenicker Straße räumlich fassen, dienen als robustes städtebauliches Grundgerüst für das Viktoriaareal. Das kompakte, klimaangepasste Quartier entwickelt sich um einen großzügigen, öffentlich nutzbaren und begrünten Freiraum an der Spree. Der Viktoriaspeicher teilt diesen in zwei ungleiche Hälften: Im Nordwesten spannen der Speicher und das gegenüberliegende Hochhaus das „Urban Green“ auf. Südöstlich entsteht zwischen Speicher und dem terrassierten Neubau auf dem Nachbargrundstück das „Spreefenster“ mit dem „Spreebalkon“. Eine Gasse fluchtet auf die Stirnseite des Speichers und macht diesen von der Köpenicker Straße aus erlebbar.

Die Blockstruktur zielt auf eine klare Trennung zwischen öffentlichen Freiräumen und privaten „Klimahöfen“. Der erste und größte Block umschließt eine zweigeschossige Kita. An der Schillingbrücke folgt die Bebauung dem historischen Stadtgrundriss und die Häuser treppen sich, der Topografie folgend, nach oben.

Maßstäblich gibt der Speicher den Takt für die Neubauten vor. Die Blöcke sind in überschaubare Häuser mit Spännererschließung parzelliert. Während an den Gassen schmalere Parzellen anliegen, sind die Häuser längs des Parks und der Köpenicker Straße jeweils block-breit und werden durch die Ausbildung von Giebeln rhythmisiert, die Bezug auf den Viktoriaspeicher nehmen.

Ein Hochhaus markiert das Quartier im weiteren Stadtraum und bildet ein Gegenüber zum Viktoriaspeicher. Der Eingang wird durch eine doppelgeschossige Kolonnade markiert. Der Schaft nimmt unten Wohnungen und oben Büros auf. Ganz oben befindet sich eine Bar mit Aussichtsterrasse.

Der südöstliche Block enthält im Erdgeschoss einen Nahversorger. Darüber liegen Parkgeschosse des Mobilitätshubs, die später zu Wohnungen umgenutzt werden können. Dazu wird die Rampe rückgebaut, so dass ein mittiger Hof entsteht. Im Staffelgeschoss ebenso wie im nördlichen Appendix finden Flächen für Gewerbe und urbane Produktion ihren Platz.

Die Erdgeschosse werden an der Köpenicker Straße sowie an Park, Spreefenster und Promenade mit öffentlichkeitswirksamen Nutzungen bespielt. An den ruhigeren Gassen wird Wohnen im Hochparterre angeboten.

Durch Multicodierung von Flächen und der Integration der Verkehre in den öffentlichen Freiraum entsteht ein autoarmes, fußgängerfreundliches Quartier. Befahrbare Gassen bilden den „Quartiersgrund“, für den gebrauchtes Großsteinpflaster aus dem Bestand verwendet wird. Grüne Patches gliedern und öffnen den Belag zum Boden. An die Patches sind Sitzbänke, Trinkbrunnen und Spielpunkte angegliedert. Das „Urban Green“ integriert Rasenliegeflächen, Spielplätze und Verdunstungs- und Versickerungsbeete als blaugrüne Infrastruktur. Nördlich des „Urban Greens“ wenden sich Sitztreppen zur Spree. Am „Spreefenster“ entsteht ein „Spreebalkon“ als weithin sichtbarer Akzent entlang der Spreepromenade. Eine Bodenintarsie zwischen Köpenicker Straße und Viktoriaspeicher thematisiert die Geschichte der Kreuzberger Speicher und Fluss-Häfen. Die Fassaden entlang der Gassen, die die südlichen Nachbarschaften anbinden, werden mit Vertikalbegrüngen gestaltet.

Besonderer Wert wird auf die Verbesserung des Mikroklimas gelegt. Die Gassen zwischen der kompakten Bebauung in Hofform sorgen für Luftaustausch zwischen Spree und Köpenicker Straße. Der ungebundene Belag der öffentlichen Freiräume und die biodivers bepflanzten Regenwassermulden erhöhen den Anteil unversiegelter Flächen. Baumpflanzungen und Regenwasserbewirtschaftung werden sinnvoll verbunden. Der Großteil des Regenwassers verbleibt auf dem Dach. Die Retentionsdächer sind mit biodivers angesäten Dachbegrünungen und PV kombiniert. Der restliche Abfluss erfolgt in Retentionsmulden und Bewässerungszisternen in den „Klimahöfen“. Die Fassaden in den Gassen und den „Klimahöfen“ werden begrünt.

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